Ein Jahr vergeht im Nachhinein wie im Flug - angefangen hat ja eigentlich alles als Experiment. Unbedarft bin ich über einzelne Blogs auf die Blogosphäre aufmerksam geworden und bin jungfräulich eingestiegen. Nach 8 Jahren mit einer mehr oder weniger leeren Domain, hat sich ein Blog als ideale Möglichkeit herausgestellt, die Internetseite mit Leben zu füllen - das ist der große Vorteil eines Blogs.
Anfangs noch ohne Konzept, mit einer Seite bei Blogger.com merkte ich schnell, dass es so einfach nicht geht. Man braucht ein Themengebiet. Da ich aber über alles schreiben möchte, was mir gerade gefällt, habe ich mich für einen sehr breiten Titel “Neues, Interessantes und Kurioses aus dem Web” entschieden. Eigentlich nicht wirklich ein Genre, aber irgendwie genau das, was ich zeigen möchte. Privates wollte ich eher außen vor lassen, für politische Meinungen und kritische Bemerkungen fühle ich mich auch nicht sonderlich berufen. Ich bin nun mal auch kein talentierter Schreiber (das bestätigen die schlechten Deutsch-Noten früher in der Schule), sonst hätte ich wahrscheinlich Journalismus statt Informatik studiert oder wäre Schriftsteller geworden. Aber mir macht es Spaß ein paar Zeilen zu verfassen, auch wenn es mir manchmal schwerfällt und es dauert bis ich einen Absatz fertig habe.
Das ganze entwickelt sich recht schnell zu einer Art Sucht, mit ziemlich hohem zeitlichem Aufwand, selbst wenn man kein großer Blogger ist. Immer mehr Feeds lesen, um an Neuigkeiten zu kommen, immer beobachten, was hat Erfolg, was nicht, immer möglichst schnell, viele Posts schreiben, eventuell selbst Social Bookmarks setzen und voten und dann ständig Besucher analysieren…. Kaum macht man Pause gehen Besucherzahlen runter, Feedleser zurück, etc.
Vor kurzem wollte ich daher mit dem Blog-Experiment aufhören und mich wieder anderen Hobbys widmen. Jetzt, nachdem ich gut zwei Wochen Pause gemacht habe, schreibe ich hier mal ein paar Eindrücke zusammen, die ich beim Bloggen gemacht habe. Dadurch habe ich mich auch entschlossen weiterzumachen, aber weniger auf steigende Geldeinnahmen, Verlinkung, Visits und Pageviews Wert zu legen, sondern einfach just-for-fun Artikel schreiben, wann es mir beliebt.
Recht schnell merkt man, dass die Menge der Posts eine entscheidende Rolle beim Beginn eines Blogs steht. Je mehr Artikel, desto mehr Besucher, da man mit neuen Artikel innerhalb von Minuten auch relativ hoch bei Google gerankt wird und damit auch erstmals Aufmerksamkeit erzeugen kann. Trotz zeitlicher Einschränkung habe ich es bisher auf 108 Artikel geschafft (für Profis lächerlich, aber für mich eine stolze Zahl).
Dass man Zeit benötigt und ein gutes Blog zu führen - steht außer Frage. Das sieht man auch an den Berufen, die gute Blogger führen: Schüler, Studenten und zum größten Teil Selbständige/Journalisten, die sich eben in diesem Segment bewegen und hierüber vernetzten und propagieren. Private Blogs, die nicht die nötige Zeit aufbringen können, führen demnach auch oft ein Schattendasein - nicht zwangsläufig, aber größtenteils.
Aber wann soll ich schreiben? Während meiner Arbeitszeit geht das schlecht, das sieht der Arbeitgeber nicht gerne. Abends dann nach der Arbeit, muss ich mich dann auch nicht noch unbedingt vor die Kiste setzen, da möchte ich mich eher entspannen und andere Dinge erledigen/erleben. Also bleibt das Wochenende. Aber um eventuell einen Post täglich rauszubringen muß man dann extrem vor-/nacharbeiten und Posts auf Vorrat schreiben und zeitlich versetzt veröffentlichen. Das dauert dann mal schnell wieder ein paar Stunden, die ich auch nicht unbedingt zur Verfügung habe, da das Wochenende auch für viele andere Aufgaben herhalten muß…
Hinter steigenden Zugriffszahlen und Pageviews steckt ne Menge harte Arbeit. Anfangs ist hierzu natürlich extrem wichtig, sich zu vernetzten. Backlinks setzten, Kommentare abgeben und sich austauschen. Dies habe ich aber leider nicht im erforderlichen Rahmen geschafft, sodaß ich hier immer etwas hinterher hinke. Auch ist es von Vorteil, wenn man bereits über einen großen bloggenden Freundeskreis verfügt, die einem etwas auf die Sprünge helfen mit Backlinks, Blogrolls etc. Auch Blogparaden sind ein beliebtes Mittel für mehr Traffic zu sorgen, allerdings hatte ich das Gefühl, das das nicht zu meinem Konzept passt. Auch ohne diese Maßnahmen habe mich aber dennoch durchgebissen und einen langsamen, aber stetigen Anstieg der Besucherzahlen verzeichnen können. Mittlerweile kommen täglich um die 75 eindeutige Besucher (sehr harte Zählung, andere Statistiken sagen mehr) auf die Seite, worüber ich mit dem “geringen” Aufwand erst mal zufrieden bin.
Auch die Anzahl der Feedreader hat sich stetig erhöht auf zwischenzeitlich 45 Leser, was für mich einen Erfolg darstellt. Leider kennt man keinen der Feed-Leser richtig, was eigentlich schade ist. Hier wäre mal sinnvoll, daß ein FeedReader-Hersteller (z.b. GoogleReader über Google-Profile) ein Tool entwickelt - wie bei Twitter - um feststellen zu können, wer wem folgt!
Selbst bin ich nun bei 117 Feeds angelangt, die ich regelmäßig “lese” bzw. darüber fliege. Es ist schon teilweise mühsam aus den vielen täglichen Posts aller Feeds die Perlen herauszupicken. Insbesondere wenn manche Blogs meinen, sie müssen durch Quantität statt Qualität überzeugen, aber diese fliegen auch schnell wieder heraus…
Zwischendurch gingen mir viele Posts auch auf die Nerven, da jeder das gleiche schreibt. Gerne hätte ich auch dazu meinen Senf beigetragen und das Thema selbst veröffentlicht, aber mir war es zu blöde, das ganze neu aufzurollen, da ich mich satt gelesen hatte. Dazu gibt es aber auch interessante Diskussionen, sodaß ich zu dem Entschluß gekommen bin, zukünftig wieder auch alte Kamelen zu Posten, wenn es zu meinem Konzept passt, da es ja auch Leser gibt, die die anderen Feeds nicht lesen.
In meiner ersten Version bei Blogger.com hatte ich mir jeden im Web verfügbaren Button dieser Blogverzeichnisse eingebaut, da ich dachte, daß mir das etwas bringt. Mittlerweile konnte ich dadurch aber keinen Besucheranstieg feststellen, sodaß ich diese häßlichen Dinger wieder entfernt habe. Ich denke, daß der Erfolg über die Verzeichnisse erst eintritt, wenn man auf einen der vorderen Plätze steht, aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren.
Ein Gedanke bei der ganzen Blog-Geschichte war natürlich auch: Kann man Geld damit verdienen? Hinterher denke ich mir, das ganze SEO und Optimierung für Werbung macht den Spaß kaputt, sich um das wirklich Wichtige zu kümmern - gute Posts schreiben.
Man kann zwar im Laufe der Zeit ein paar Cent verdienen, aber das deckt dann auch nur die Hosting-Kosten im Jahr. Selbst Profi-Blogger können nicht ausschließlich von den Werbeeinnahmen leben, es ist ein Bestandteil, aber Geld wird bei diesen Leuten wohl auch durch Beratungsleistung bzw. Selbständigkeit verdient. Einige Blogger kommen angeblich auf ca. 1000 Euro Werbeeinnahmen im Monat, aber mal ehrlich - als Gehalt ist das doch lächerlich?
Einige Webseiten strotzen nur so von Werbung. Da merkt man gleich, dass es um nichts anderes geht - schade eigentlich (Außer man macht es offiziell nur deswegen wie bei Geldkrieg.de). Werbung einzublenden ist ok - aber eine gute Seite sollte Sie meiner Meinung nach so anbringen (gerade kleine Blogs), daß sie nicht stört und auch nicht mitten im Text steht, dann hat man auch Spaß an der Seite. Man kann es niemanden verübeln, ein paar Cent zu verdienen. Aber auch Respekt für Blogs wie shopblogger.de , die extremen Zulauf und Pageviews haben, aber aus Prinzip auf Werbung verzichten, obwohl hier einiges verdient werden könnte. Ich halte es auf anderen Blogs eher so, daß ich bei einen guten Beitrag, zur “Belohnung” die “angezeigte Werbung mal näher begutachte”…
Optik scheint einigen Bloggern nicht wichtig zu sein, haben aber dennoch Erfolg, da der Inhalt passt. Aber die Farben, die Zusammenstellung, Unübersichtlichkeit ist einfach grausam. Anders herum reicht es auch nicht, ein schönes Layout zu haben, wenn der Inhalt nichts ist. Lange habe ich nach dem Umstieg auf Wordpress an einem schönen Layout gefeilt. Ein Magazine-Style sollte es sein, irgendwie fand ich die langen Listen mit der Zeit langweilig. Aber mit den Bilder hab mir zusätzlich Arbeit aufgehalst. Hab zwar mittlerweile ein recht schöne Technik und ein eigenes ScreenCapture-Upload-Programm geschrieben, aber dennoch benötigt jeder Post einfach mehr Zeit.
Wenn dann jeder Pixel des Layouts mal steht (IE6 hab ich irgendwann mal nicht mehr beachtet, weils mir zu blöd wurde) und das Logo nach 20 Versionen steht, kommt die Erkenntnis: jetzt find ichs wieder langweilig, weil mans selbst nicht mehr sehen kann bzw. ich habe tolle neue Templates gesehen. Momentan überlege ich mir wieder ein neues Layout zu basteln, um aus den Fehlern zu lernen, die ich meineserachtens gemacht habe. Mal sehen…
Social Bookmarking ist auch so ein Thema, da hatte ich schon darüber gepostet. Da gibt es einmal die normalen Bookmarking-Dienste, wie Mister Wong, oder Delicous, die insgesamt ein sehr praktisches Hilfsmittel sein können. Ich persönliche nutze die Google Bookmarks mit dem GMarks-Plugin in Firefox, sodaß ich jederzeit und überall die gleichen Lesezeichen habe. Auf dem Blog habe ich mittlerweile das deutsche Plugin “Seitzeichen” verwendet, das man mit einer eigenen Grafik anpassen kann, sodaß es bei mir unauffällig oben rechts eingeblendet wird.
Eine andere Kategorie der Social Bookmarks, die ich hier dazu zähle, sind die “News-Dienste”, wie Yigg, WebNews oder ähnliche. Hiervon hatte ich lange Zeit auch selbst Gebrauch gemacht, um meine eigenen Artikel zu “pushen”. Einen Artikel hatte ich selbst mal auf der ersten Seite von Yigg und man muß zugeben, daß eine enormer Besucheranstieg verzeichnet werden kann. Wenn man genau hinsieht, machen das viele, die ihre eigenen Artikel dort einstellen. Erfolgreich werden die Artikel dann, wenn man selbst (kurze IP-Änderung) oder durch Freunde anonym positiv bewertet wird. Dieses Vorgehen ist in diesen Portalen eigentlich durchwegs geläufig, sodaß am Ende doch wieder nur die Geldhaie mit uninteressanten Themen an den Spitzen der Listen stehen und keine Qualitätsartikel. Von daher mache ich dort nicht mehr mit, solange anonym abgestimmt werden kann. Hierfür gibt es auch schon einige andere Portale mit sehr positiven Ansätzen.
Bei den Kommentaren bin ich auch gleich mal reingefallen. Am Anfang freut man sich ja über jeglichen Kommentar, der einen das Gefühl gibt, daß sich Leute für den Inhalt interessieren. Stolz war ich auch darauf, dass ich mir das “No-NoFollow”-Plugin installiert habe. Mit der Zeit habe ich aber festgestellt, daß Leute über komische Suchanfragen auf meine Webseite kommen, indem Sie ihre Backlinks über Yahoo prüfen (z.B. Yahoo-Links für Raumtextilienshop ).
Ein unangenehmer und auffälliger Zeitgenosse ist dabei “Bernd hinter den Gartenmöbeln” oder “Bernd unterm Sonnensegel” oder wie auch immer er nun richtig heisst, der sich mit vielerlei Kommentaren Backlinks ergaunert, wie z.B. “Dein Feed funktioniert nicht” oder “Das Video funktioniert bei mir nicht, bitte prüfen”. Auch andere Blogger haben schon Freundschaft mit ihm geschlossen… Seitdem prüfe ich die Backlinks ganz genau und habe auch über das PlugIn einen Zeitrahmen gesetzt, ab wann das Follow-Attribut gültig ist, damit die Kommentare nicht so aussehen wie z.B. hier oder hier. Einen Wikipedia-Link bei “Insektensammlung” hat der Gute übrigens auch (ganz unten für Schutzgitter).
Man lernt ja nie aus…
So, es gäbe noch viele interessante Erfahrungen und Anekdoten zu erzählen, aber die Zeit vergeht schon wieder wie im Flug…
Mein Blog wird wohl nie in irgendeine Top100 einsteigen, aber hoffentlich ein interessantes Nischendasein führen.
